Wie der Beton nach Mannheim kam

Wie der Beton nach Mannheim kam

Die Veranstaltung am heutigen Abend im Stadtarchiv Mannheim

Hier finden Sie den gesamten Vortrag als Audio - Datei:

Der Text aus der Veranstaltungsankündigung des Stadtarchivs:

PD Dr. habil Ferdinand Werner (Worms) hält einen spannenden Vortrag darüber "Wie der Beton nach Mannheim kam - Zur wechselvollen Geschichte eines modernen Baumaterials" 

Als Baustoff ist Beton heute allgegenwärtig. Dabei haftet dem Material ein denkbar schlechter Ruf an, und auch die architekturgeschichtliche Dimension fand bisher nur in Fachkreisen Beachtung. Denn Zement und Beton spiegeln die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts in Folge der weitreichenden Veränderungen durch die Französische Revolution und die bald danach rapide fortschreitende Industrialisierung in England, Frankreich und Deutschland wider, wie der Kunsthistoriker und Verleger Dr. Ferdinand Werner in seinem kürzlich erschienenen Werk „Der lange Weg des Neuen Bauens“ berichtet. Auf Einladung des Stadtarchivs Mannheim – ISG hält der Autor nun einen Vortrag über den Baustoff und seine Anfänge in Mannheim.

 

Werner blickt auf die wechselvolle Geschichte des Baumaterials zurück, verweist auf die ersten Betonbauten des frühen 19. Jahrhunderts in Frankreich und zeigt auf, wie sich parallel zur konstruktiven Entwicklung eine rege Industrie als Ableger der Zementhersteller entwickelte, denn mit dem Material ließ sich auch Kunststein herstellen, der weitaus kostengünstiger als der aus Steinbrüchen gewonnen Werkstein war. Als innovatives und eigenständiges Produkt traten die Betonwerksteine einen solchen Siegeszug an, dass die Natursteinbranche in große Bedrängnis kam. 

Auch in Mannheim, das der Stadtbaurat Richard Perrey als „Sandsteinstadt“ bezeichnete, finden sich dafür beeindruckende Beispiele aus der Zeit um 1910 wie die Montessori-Schule oder der Altbau des Klinikums. Zu erinnern ist auch daran, dass in Mannheim eines der ältesten deutschen Portlandzementwerke seinen Standort hatte. Auch dort stellte man nicht nur Zement her, sondern Dekorationsteile wie Baluster, Vasen und andere Produkte für Haus und Garten. Überhaupt darf man Südwestdeutschland als ein Zentrum der Zement- und Kunststeinindustrie bezeichnen. 

Mit dem neuen Beton ließ sich beinahe jedes Bauvorhaben bewältigen. Im Zweiten Weltkrieg wurden mit Beton und Stahl bombensichere Luftschutzbauten errichtet. Auch dies ist ein Kapitel in der Geschichte des Betonbaus, das heute interessiert. Denn bekanntlich wird das MARCHIVUM künftig seinen Sitz im Hochbunker in der Neckarstadt-West haben.